Gedenken an die verstorbenen Drogengebrauchenden
Verändern, um Leben zu retten
Im Jahr 2025 starben bundesweit 2.150 Menschen infolge von Drogenkonsum. Zu den Todesursachen zählen Überdosierungen und andere Folgen des Konsums illegaler Substanzen. Besonders tragisch: Immer mehr junge Menschen sterben durch einen hochriskanten Mischkonsum. Der Gedenktag verstorbener drogengebrauchender Menschen am 21. Juli erinnert an die persönlichen Schicksale der Betroffenen und ihrer Angehörigen.
Die hohe Zahl an Drogentoten ist vermeidbar und macht deutlich, dass Veränderungen notwendig sind.
Die Suchtprävention ist neben Beratung und Behandlung die dritte eigenständige Säule der Sucht- und Drogenhilfe in NRW und angesiedelt im Bereich der Gesundheitsförderung. Gleichzeitig ist sie auch eine Brücke zwischen den Menschen und dem in der öffentlichen Wahrnehmung tabuisierten Thema Sucht. Präventionsangebote in den Bereichen Frühen Hilfen, in Kitas, Grund- und weiterführenden Schulen, Ausbildung und Betrieben bis hin zum Übergang ins Seniorenalter vermitteln Zugang zu Information und Hilfsangeboten. Sie zeigen die vielschichtigen Gesichter der Suchtprävention: zuhören, in Verbindung gehen, aufeinander achten, informieren, ermutigen, Veränderungen anregen. "Verändern, um Leben zu retten" ist das Motto des diesjährigen Gedenktags. Veränderung ist auch in der Suchtprävention ein starker Impuls – den Konsum verändern, dysfunktionales Verhalten verändern, Wahrnehmungen verändern, Bewertungen verändern, Verhältnisse verändern.
Der Mensch im Mittelpunkt
Die aktuellen Zahlen zeigen: die wachsende Gruppe junger Menschen, die sehr riskant konsumieren, wissen oft nicht, welche Substanzen sie genau zu sich nehmen und können die Folgen nicht abschätzen. Die Gründe für den Konsum sind vielfältig: Langeweile, Experimentierfreude, Aufputschen, das Dämpfen von unangenehmen Gefühlen, Konfliktvermeidung, Stressabbau, wenige Handlungsalternativen. Psychische und soziale Probleme – in Kombination mit schwierigen Familienverhältnissen und gesellschaftlichen Unsicherheiten – können Ursache und auch Folge sein.
Oft können schon kleine Anstöße einen Wandel bewirken– bekannt als der "Schmetterlingseffekt" in der Psychologie. Er steht dafür, dass viele kurze und wiederkehrende Interventionen wirken – auch bei großen Herausforderungen auf persönlicher wie struktureller Ebene. Er speist das Zutrauen in die Kraft der Selbstwirksamkeit – im Inneren wie bei Anstößen von außen.
Forderung nach Kurswechsel
Die Aufgaben der Suchtprävention wachsen: Alkohol-, Nikotin- und Cannabisprävention, das weite Feld der problematischen Mediennutzung inklusive KI, Trends wie Lachgas, neue Produkte der Nikotinindustrie, Mischkonsum, der Missbrauch von Medikamenten sowie steigender Crack und Kokainkonsum. Veränderungen auf gesellschaftlicher und politischer Ebene tragen bei vielen Menschen zu Verunsicherungen bei.
Veränderung, um Leben zu retten – in diesem Kontext schließt die ginko Stiftung für Prävention sich den Forderungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) nach einem dringenden politischen Kurswechsel und einer spürbaren Stärkung der Strukturen an. Konkret braucht es:
- Flächendeckende und nachhaltige Präventionsangebote ab dem Elementarbereich und an Schulen, um aufzuklären, junge Menschen zu stärken und ihre Selbstwirksamkeit im Fall auftretender Probleme zu erhöhen.
- Mehr Frühintervention und aufsuchende, niedrigschwellige Hilfen, um junge Konsumierende zu erreichen, bevor der soziale Absturz unumkehrbar wird.
- Zusätzliche Ressourcen für Koordination, Kooperation, Fallmanagement und eine passgenaue Hilfeplanung innerhalb der Jugendhilfe, um den komplexen Problemlagen gerecht zu werden.
- Eine nachhaltige Stärkung des Akutbereiches in der medizinischen und psychiatrischen Versorgung einschließlich Plätzen zur Entzugsbehandlung.
- Den gezielten Ausbau von adäquaten Behandlungsplätzen im Rehabilitationsbereich und Anpassungen der Behandlung an die Bedürfnisse und Anforderungen der Personengruppe.
Weitere Informationen
DHS Positionspapier: "Suchtpolitische Forderungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen an eine Regierungskoalition der Bundesrepublik Deutschland 2025-2029."
DHS Positionspapier - kurz und kompakt: "Suchtpolitische Forderungen der DHS."